Awamori – der etwas anderer Sake?

Sake und Shochu gewinnen in der westlichen Kultur nach und nach an Bekanntheit und in der Gastronomie an Bedeutung. Doch nur sporadisch wird sich in der westlichen Welt damit auseinander gesetzt. Nichtsdestotrotz verbergen sich in jener Spirituosenkategorie noch Überraschungen. Deshalb beleuchtet dieser Artikel den Lokalmatador der südlichen Inseln Japans, dem „Sake Okinawas“: Awamori.


Tauchen - Arbeiten- Surfen - Arbeiten - Awamori genießen - Arbeiten - repeat.

Um Verwirrungen zu vermeiden, beginnen wir mit einem Japanisch-Schnellkurs. Das Schriftzeichen „Sake“ bedeutet „Alkohol“. Was in der westlichen Welt als Sake bezeichnet wird, wird von den Söhnen Nippons jedoch respektvoll „O-Sake“ genannt. Gebräuchlicher jedoch ist eine andere Lesart des gleichen Schriftzeichens: „-shu“. Daher wird in Japan der Großteil jener Reisweine „Nihon-shu“ genannt – Alkohol Japans. Shochu hingegen ist eine Zusammensetzung zweier Schriftzeichen, welche „etwas konzentrieren“ und „brennen“ bedeuten. Daraus wird schon der Unterschied zwischen dem Gebräu Sake und dem Destillat Shochu offenbar.


Entblättern wir nach diesem trockenem Einstieg die geheime Blüte Awamori, entdecken wir viele Gemeinsamkeiten mit: Beiden Spirituosen. Denn einerseits wird Awamori ausschließlich aus Reis und mit Hilfe eines schwarzen Schimmelpilzes (jap.: „Kohji“) hergestellt – dem Aspergillus Awamori. Jedoch wird das Gebräu destilliert. Ist es nun also Shochu? Jener wird zwar größtenteils aus Gerste, Kartoffeln oder Süßkartoffeln gewonnen, doch regional auch aus Reis – z.B. auf dem nahe gelegenen Kyushu. Allerdings wird für Awamori nicht der Sake- und Shochu-übliche Japonicareis, sondern der aus Thailand importierte Indicareis verwendet. Weiterhin wird Schochu mit Hilfe weißem Schimmels hergestellt. Wir müssen also festhalten, dass Awamori sich einfach gleicher Methoden und Ingredenzien wie seine größeren Brüder bedient. Allerdings aufgrund seines auf asiatischem Festlandes und nicht dem japanischen Inselreich liegendem Ursprungs unterschiedlich und eigenständig ist.


Geschmacklich ist der Awamori eigenständig, würzig und hat aufgrund seines ungewöhnlichen Geschmacksprofils einen hohen Wiedererkennungswert. Zwar werden grundsätzliche Parallelen zum reisbasiertem Shochu deutlich, doch reichen dessen Facetten viel tiefer ins grasige, erdige, trockene, salzige hinein. Die Annahme, das begrenzte Einzugsgebiet dieses Lokalmatadors sorgt für geringe Variation ist jedoch fernab der Realität. Trinkstärken zwischen 25% und 63%, Lagerung in Stahl, Stein, Höhlen oder Holz über Perioden von drei Monaten bis zu Jahrzehnten und die Nähe zu mehr oder minder bedeutenden, lokalen Rum- und Whiskyherstellern sorgen für große Vielfalt. Weiterhin sind knapp 1,5 Millionen lokalpatriotische Einwohner Okinawas überaus trinkfreudig und auf den Inseln wird fast nur Lokales ausgeschenkt.


In den Brauereien geht es dampfig zu.

Unter den 25-30%igen findet man Geschmäcker von Gras, feuchter Erde und Meeresluft. In der Palette 35-43% hingegen entdeckt man trockenere, salzigere Noten und Nuancen von Ton und Stein werden dominanter. Dies hängt natürlich auch stark von der Lagerungsart ab. So werden teilweise auch neue, in Kyushu ausgekohlte Fässer aus Amerikanischer Weißeiche genutzt. Die damit verbundenen Aromen (siehe auch: „Holz ins Glas“) treten deutlich zu Tage. Doch funktioniert die Verbindung dieser Geschmäcker und Aromen bei weitem nicht so gut wie beim Bourbon. Die hohen Trinkstärken um 60% sind primär Zeremonien vorbehalten und sind geschmacklich sehr klar und leicht.

Awamori wird ebenso pur oder auf Eis, wie als Longdrink oder Highball gereicht und ist allgegenwärtig. Sicherlich auch aufgrund seines leichten Geschmacks, welcher mit Säften und Limonaden nicht zu kräftig ist und daher bei allen Altersgruppen und Geschlechtern Anklang finden kann. Ein weiterer Grund des lokalen Erfolgs ist bestimmt auch sein niedriger Preis. Ein Liter vernünftigem Awamori, welcher auch pur genossen werden kann beginnt schon bei €8 und sehr gute Varianten sind ab 20€ pro Liter zu erstehen. Verglichen mit dem hiesigen Bierpreis von €0,90 pro 330ml ein Schnäppchen.


Wer also auf der Suche nach einem Exoten für fernöstliche Abende oder Getränkemenüs ist wird im Awamori sicherlich einen zuverlässigen, preiswerten, einfach vermischbaren Partner finden. Doch darf man geschmacklich nicht solche Eröffnungen erwarten, welche uns Klasse Sake bescheren kann.

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